27.10.2016

Neue MRT-Methode erleichtert die Durchführung von klinischen Studien 

Die Wirksamkeit neuer Therapien kann nur in klinischen Studien überprüft werden. Zur Durchführung einer solchen Studien werden meist hunderte, oft sogar tausende Teilnehmer benötigt. Bei einer seltenen Erkrankung wie CADASIL ist daher die Durchführung einer klinischen Studie besonders schwierig. Eine aktuelle Studie, veröffentlich in Annals of Neurology (englischsprachig), stellt eine wesentliche Verbesserung in Aussicht. Im Rahmen der Arbeit wurde ein neuer MRT-Parameter entwickelt, der es erlaubt die Erkrankung besonders genau zu erfassen. Insbesondere Veränderungen der Erkrankung können so mit bisher nicht erreichter Genauigkeit erfasst werden. Die Durchführung einer klinischen Studie wird dadurch wesentlich erleichtert. Die Arbeit zeigt, dass unter Verwendung des neuen Parameters knapp 100 Studienteilnehmer ausreichen um einen Behandlungseffekt nachzuweisen. Damit werden Therapiestudien bei CADASIL erstmals durchführbar. Eine erste Therapiestudie ist bereits in Planung. Es soll verglichen werden, welcher Blutdrucksenker bei CADASIL-Patienten mit Bluthochdruck am besten geeignet ist.

 

19.02.2016

Erste Erkenntnisse zur Machbarkeit einer Gentherapie bei CADASIL

Eine Forschergruppe aus den Niederlanden hat einen ersten Schritt zur Gentherapie bei CADASIL gemacht. Die Forscher um Dr. Saskia Lesnik-Oberstein konnten die Methode des "Exon-Skipping" erfolgreich im Reagenzglas ("in vitro") anwenden. Bei dieser Methode wird das NOTCH3-Gen derart verändert, dass der Teil mit der CADASIL-verursachende Mutation übersprungen wird. Somit wird ein Eiweiß produziert, dass nicht die CADASIL-verursachende Veränderung trägt. Die Ergebnisse demonstrieren die prinzipielle Machbarkeit eines solchen Ansatzes. Allerdings waren die Ergebnisse auf das Reagenzglas beschränkt, und daher ist noch nicht absehbar ob und wann die Methode tatsächlich am Menschen angewendet werden kann. Dennoch öffnen diese Ergebnisse einen neuen Weg in der Suche nach einer ursächlichen Therapie.

Die Untersuchungen wurden in der renommierten Fachzeitschrift BRAIN veröffentlicht (in englischer Sprache).

 

08.10.2015

Neue Erkenntnisse zu den Gefäßschäden bei CADASIL

CADASIL ist eine Erkrankung, bei der die kleinen Blutgefäße im Gehirn geschädigt werden. Leider ist noch immer unklar, wie genau dieser Schaden abläuft. Diese Unkenntnis verhindert die Entwicklung wirksamer Therapien.

Nun konnte eine Arbeitsgruppe am Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung in München neue Einblicke liefern.

Die Arbeit von Dr. Mitrajit Ghosh aus der Gruppe von Prof. Nikolaus Plesnila zeigt, dass eine bestimmte Zellart (die sog. Perizyten) in den Gefäßen besonders betroffen ist. Die Veränderungen an diesen Zellen können viele Gefäßauffälligkeiten erklären. Die Arbeit öffnet somit ein neues Forschungsfeld bei CADASIL. Die genaue Analyse der Prozesse, die sich in den Pericyten abspielen, könnte zu einem neuen Therapieansatz führen. Hierfür wurden weiterführende Forschungsprojekte am Institut für Schlaganfall- und Demenzforschungen begonnen.

Die Arbeit wurde in der angesehenen, internationalen Fachzeitschrift "Annals of Neurology" (in englischer Sprache) veröffentlicht.

 

21.01.2015

Die Bedeutung von Nicht-Cystein-Mutationen

CADASIL wird heutzutage üblicherweise mittel molekulargenetischer Testung diagnostiziert. Hierbei weist man eine typische Erbgutveränderung (Mutation) nach. Mutationen führen zu einem veränderten Bauplan für Eiweiße des Körpers. In den meisten Fällen von CADASIL wird in dem Protein NOTCH3 die Anzahl an Cysteinen (eine bestimmte Aminosäure) im NOTCH3-Eiweiß verändert. In einem kleinen Teil der Fälle entdeckt man jedoch die Veränderung einer anderen Aminosäure. Die Beudeutung dieser Nicht-Cystein-Mutationen war bisher ungewiss. Eine neue Arbeit legt nun nahe, dass diese Mutationen ebenfalls krankheitsrelevant sein können.

Die in der Fachzeitschrift "STROKE" veröffentlichte Arbeit stellt eine Familie mit einer bisher unbekannten Mutation vor. Die in der Familie vorkommende Nicht-Cystein-Mutation geht mit einem absolut typischen CADASIL-Krankheitsbild einher, was bereits eine Krankheitsrelevanz der Mutation nahelegt. Zudem werden in der Arbeit Proteine (=Eiweiße) untersucht, die verschiedene Mutationen tragen. Es wurden sowohl typische Cystein-Mutationen als auch Nicht-Cysten-Mutationen untersucht. Gemessen wurde die krankheitstypische Eigenschaft der Eiweiße sich zusammen zu lagern (sog. Aggregation). Diese Aggregation war bei den typischen Cystein-Mutationen stark ausgeprägt, ein Befund der bereits aus früheren Arbeiten bekannt war. Interessanterweise fand sich für einige Nicht-Cystein-Mutationen der gleiche Befund, darunter auch die Mutation aus der berichteten Familie. Zusammenfassend muss somit davon ausgegangen werden, dass auch Nicht-Cystein-Mutationen die CADASIL-Erkranungen auslösen können. Im Einzelfall bleibt die Beurteilung von Nicht-Cystein-Mutationen jedoch kompliziert und muss von einem Experten vorgenommen werden.

Die Veröffentlichung (in englischer Sprache) ist hier zu finden (allerdings nur für Abonnenten der Fachzeitschrift STROKE zugänglich).